Meine Einstellung zu Tieren

 

Wir müssen nicht immer der gleichen Meinung sein! Doch sehe ich einen wichtigen Baustein für unsere erfolgversprechende Zusammenarbeit darin, eine annähernd kompatible Denkweise bzgl. unserer tierischen Begleiter zu haben. Denn diese stellt die Basis für Arbeitsstil und Umgang mit unseren Katzen und Hunden dar.

Nachstehend erfahren Sie, wie ich persönlich Tiere wahrnehme und verstehe.

 

Denken wir in etwa ähnlich?

 


Tiere haben eigene Gefühle und Emotionen

Selbstverständlich! Und nicht nur das! Genau wie wir Menschen haben auch Tiere das Recht, ihre Gefühle und Emotionen uns Menschen gegenüber auszudrücken; sei es in Form einer Ablehnungs- bzw. Verweigerungshaltung einer Sache, Handlung oder Personen gegenüber oder einer Einforderung.

Dieser wichtige Aspekt ist bitte nicht mit Erziehung zu verwechseln, die selbstverständlich gegeben sein muss!


Gefühle vs. Emotionen - Worin liegt der Unterschied?

Gefühle und Emotionen unterscheiden sich!

  • Gefühle entstehen als Reaktion des Körpers aus dem Inneren heraus.
  • Emotionen entstehen durch einen äußeren Reiz. Es handelt sich um Reaktionen, die durch eigene Wahrnehmung oder Gedanken ausgelöst werden. Emotionen helfen einem Individuum, Situationen und Erfahrungen zu bewerten. Somit liefern sie einen evolutionären Vorteil, z.B. indem bei Gefahr Angst ausgelöst wird und ein Tier aus seinem Schutzbedürfnis heraus Meideverhalten zeigt.

Was sagt die Wissenschaft?

Verfügen Tiere über dieselben Emotionen wie wir Menschen? Forscher konnten in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen neben Freude, Angst und Trauer auch komplexere Gefühle wie Eifersucht nachweisen.

Haben Tiere Gefühle? Ja, ausnahmslos! Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, bspw. auf dem Gebiet der Verhaltensforschung, bestätigen dies. Tiere ...

  • … freuen sich (z.B. bei Liebkosungen, Beschäftigungen, Futterzubereitung etc.)
  • … erinnern sich (z.B. wenn ihr Mensch nach längerer Abwesenheit heim kommt)
  • ... flüchten (z.B. bei der Annäherung von Fressfeinden oder Rivalen)
  • … stellen sich tot (z.B. verfallen in "Schock-/Schreckstarre", wenn sie in Gefahr sind)
  • … greifen an (z.B. wenn sie sich bedroht fühlen
  • … warnen sich (z.B. diverse Schwärme, Herden etc., wenn sie Gefahr wittern)
  • … suchen einander (z.B. wenn die Mutter nicht in der Nähe ist)
  • … trauern (z.B. wenn ein Artgenosse oder eine Bezugsperson verstorben ist)
Tiere haben Bedürfnisse

Ebenso wie wir Menschen haben Tiere zahlreiche Bedürfnisse. Es liegt in unserer menschlichen Verantwortung, diese Bedürfnisse zu akzeptieren und zu respektieren und ihnen nicht mit unseren Handlungen entgegenzustehen.

  • Existenzbedürfnisse (z.B. Luft, Nahrung, Wasser, Lebensraum, medizinische Versorgung)
  • Sicherheitsbedürfnisse (z.B. Schutz vor Gefahren, Rangordnungsverhältnisse, keine Schmerzzufügung durch den Menschen)
  • Artspezifische Bedürfnisse (z.B. artspezifische Haltung, keine Vermenschlichung)
  • Individuelle Bedürfnisse (z.B. Akzeptanz eines höheren Schlafbedürfnisses von besonders jungen oder alten oder kranken Tieren, Vorlieben für bestimmtes Futter bzw. Spielzeug)
Tiere besitzen eine eigene Individualität

Jedes Tier, selbst artgleiche Spezies, unterscheidet sich vom anderen.

Diese Individualität ist teils genetisch bedingt (z.B. Geschlecht, Rasse), teils durch biochemische Vorgänge (Stoffwechsel) erworben. Entsprechend variiert nicht nur das Aussehen, sondern auch das Verhalten. Wenn Sie bereits mit zahlreichen Fellnasen zusammenleben durfte bzw. dürfen, werden Sie das bestätigen können. So erleben Sie sicherlich täglich auf´s Neue, wie Ihr tierischer Freund Ihnen mit seinen eigenen Erwartungen gegenübertritt.

Außerdem haben Tiere, ebenso wie wir Menschen, Vorlieben und Abneigungen. Auch das zeigen uns unsere Vierbeiner täglich bei der Fütterung, beim Spielzeug, bei der Spielvariante u.v.m.

Darüber hinaus bauen Tiere zu arteigenen und -fremden Spezies persönliche Beziehungen auf. Diese sind nicht selten sehr eng und werden auf individuelle Art und Weise gepflegt.


Die Individualität Ihrer Fellnase - in unserer Zusammenarbeit ein wichtiger Aspekt

Auch in unserer Zusammenarbeit kommt der tierischen Individualität eine wichtige Bedeutung zu.

Darf ich Sie z.B. bei den Vorüberlegungen und Vorbereitungen eines neuen  Fellbewohners unterstützen, müssen wir überlegen, welche Rasse zu Ihnen und Ihren häuslichen Rahmenbedingungen passt. Charaktereigenschaften und Eigenarten Ihrer Fellnase müssen wir bspw. auch bei einer Beratung zur Haltungsoptimierung berücksichtigen. Ihr Tier wird eine Vorliebe für eine bestimmte Art zu spielen haben. Entsprechend müssen wir das Spielzeug danach auszuwählen. Oder aber Sie haben eine Katze, die Kratzbäume liebt, diese aber aufgrund eines körperlichen Gebrechens nicht erklimmen kann. So müssen wir einen Kratzbaum wählen, der diese Einschränkung in seiner Nutzung zulässt. Oder aber wir müssen über Alternativen nachdenken.

Und ganz bestimmt ist die Individualität Ihres Fellchens bei einer Verhaltenstherapie zu berücksichtigen. So zeigt Ihr Fellchen z.B. massives Angstverhalten einer "Türklingel" gegenüber und benötigt einen viel längeren Zeitraum, sich dem Angstauslöser "Türklingel" nähern zu können, als ein anderes Kundentier. Die Beispiele ließen sich unzählig fortschreiben.


Wir müssen tierische Individualität akzeptieren

Auch wenn es uns aus unterschiedlichen Gründen oft schwer fällt, ist unsere Akzeptanz der tierischen Individualität u.a. ausschlaggebend für ein harmonisches Miteinander zwischen uns und unseren tierischen Freunden. Vor allem vermeidet sie auch, dass wir unseren Vierbeinern Erwartungshaltungen entgegenbringen, die sie nicht erfüllen können oder möchten. So können wir nicht enttäuscht werden.

Tiere leiden unter Vermenschlichung

Sicherlich merken unsere Fellnasen uns an, wenn wir einmal traurig sind. Oft versuchen sie dann, sich an uns kuschelnd Trost zu spenden.

Viele Katzen und Hunde, diesen voran Kitten und Welpen, verleiten uns auch dazu, sie mit ihren großen Augen zuckersüß zu finden. Schnell sind wir dem "Kindchenschema" verfallen.

Je länger wir darüber nachdenken, desto mehr alltägliche Situationen fallen uns sicherlich ein, in denen wir uns dabei ertappen, mit unseren Vierbeinern einen fast menschlichen Umgang zu pflegen. Oder aber wir schreiben ihnen humane Eigenschaften zu. Der aus meiner Sicht richtige Ansatz, Tieren eine eigene Individualität anzuerkennen, lädt uns sicherlich ebenfalls dazu ein, sie mit anthropomorphen Wesenszügen in Verbindung zu bringen.


Wir müssen umdenken lernen!

Aus meiner Sicht darf es aber so weit nicht gehen! Sicherlich benötigt unsere Gesellschaft unter Berücksichtigung des Tierschutzes grundsätzlich einer neuen zeitgemäßen Sichtweise.

So müssen wir sowohl den Stellenwert des Tieres als auch unser Verhältnis zu ihnen neu definieren. Zum Wohle des Tieres! Dies verlangt von uns zum einen Ethik und Moral. Zum anderen benötigen wir stetig neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die nachweisen, dass Tiere über Gefühle und Emotionen verfügen sowie eigenen Denkprozessen unterliegen u.v.m.

So müssen wir einen tier- und artgerechten Mittelweg finden. Wir dürfen Tiere nicht als einen Gegenstand behandelt, sie aber auch nicht vermenschlichen. Tiere sind Tiere. Nicht mehr und nicht weniger!


Falsche Erwartungshaltungen sorgen für Frust

Ein Anthropomorphismus birgt, ebenso wie eine nicht akzeptierte tierische Individualität, eine große Gefahr. Denn wir hegen unseren Fellnasen gegenüber Erwartungen, die sich nicht erfüllen können oder möchten.

Auch führt er zu Missverständnissen im Umgang zwischen uns und unseren Vierbeinern. Auf unserer menschlichen Seite machen sich Enttäuschung und Frust breit. Dagegen reagieren unsere tierischen Freunde mit Unverständnis für das, was wir von ihnen erwarten.

So sorgen beide Seiten recht schnell für eine angespannte Beziehung. Ein kontraproduktiver Umgang ist meist das Resultat. Spätestens dann, wenn wir unseren Vierbeiner für ein Verhalten bestrafen, obwohl er sich einfach nur artspezifisch verhält.

Jedes tierische Verhalten hat einen Grund

Was sagt die Wissenschaft?

Die Verhaltensforschung geht nach heutigem Stand davon aus, dass die Genetik das Fundament für jedes Verhalten darstellt. In Wechselwirkung mit Umwelteinflüssen und eigenen Erfahrungen formt sie das Verhalten eines Individuums.

Somit besteht auch bei unseren Vierbeinern ein kontinuierliches Zusammenspiel zwischen seinen Genen, seiner Umwelt und den bisherigen Erfahrungen, die er gemacht hat .

Tierisches Verhalten kommt also nicht von ungefähr und hat immer einen Grund. Dies ist nichts anderes als bei uns Menschen!


Die Suche nach dem tierischen Grund

Diese Erkenntnis ist für meine tierpsychologische Arbeit wichtig, wenn es um die Ergründung von Verhaltensursachen geht.

Keine Anwendung aversiver Methoden

Was sind "aversive Methoden"?

Aversive Methoden sind sämtliche Handlungen und Hilfsmittel, die auf ein Tier zumindest einen unangenehmen Reiz ausüben. Sie rufen bei ihm starke Abneigung, Angst, Stress oder Schmerzen hervor. Aversive Methoden beinhalten also mehr oder weniger harte Strafen, die oft in Verbindung mit Erziehungsmethoden angewendet werden.

Einige typische und immer wiederkehrende Beispiele sind:

  • Hilfsmittel, die Schreckreize verursachen (bspw. Wasserflaschen oder -pistolen, Rütteldosen, Wurfketten, Elektroschock)
  • Diverse Halsbänder (z.B. Korallen-, Würge-, Sprüh-, Stromhalsbänder)
  • Anwendung eines "Nackengriffs"
  • Körperliche Übergriffe wie Schlagen, Treten, Anrempeln, Auf-den-Boden-Werfen etc.
  •  u.v.m.

Meine Philosophie zu aversiven Methoden

Vor vielen Jahren fiel mir im Rahmen einer Internetrecherche ein Spruch auf, der meinen Umgang mit Tieren sehr stark geprägt hat:

"BEHANDLE DEIN TIER STETS SO,
DASS DU IM NÄCHSTEN LEBEN OHNE WEITERES
MIT IHM DIE ROLLEN TAUSCHEN KÖNNTEST!"

Ich denke, dieser Satz sagt alles aus! So spreche ich mich ganz bewusst gegen den Einsatz aversiver Methoden aus. Nicht nur, da sie meinen moralischen und ethischen Ansichten widersprechen. Aus meiner Sicht führen sie -dauerhaft- auch nicht zum Erfolg. Im Gegenteil! Derartige Bestrafungen mögen im ersten Moment erfolgreich erscheinen. Die Gefahr ist jedoch recht groß, dass sich durch aversive Methoden Verhaltensprobleme entwickeln oder verstärken.

Meine Erfahrungen zeigen mir, dass es sicherlich zu Situationen kommen kann, in denen Katzen und Hunde extremes Aggressionsverhalten zeigen. Oder der ausgeprägte Jagd- und/oder Spieltrieb eines Vierbeiners wird an seinem Menschen ausgelebt.  So schießt eine Fellnase gerne einmal "über das Ziel hinaus".

Allein schon, um Menschen nicht in Gefahr zu bringen, ist in derartigen Situationen selbstverständlich mit sofortigen Maßnahmen zu reagieren!


Das WIE ist entscheidend!

Für mich stellt sich dabei allerdings immer die Frage des "wie wird es gemacht?"

Egal wie die Situation ist, lege ich immer großen Wert darauf, dass die entsprechende Maßnahme seitens des betroffenen Vierbeiners verstanden wird.


Meine favorisierten Methoden

Ich arbeite mit verschiedenen Methoden der klassischen Verhaltenstherapie (wie z.B. der "Gegenkonditionierung", die auf klassische Konditionierung beruht) sowie positiven Verstärkern. Diese Methoden ergänze ich gerne mit diversen Trainings- bzw. Managementmaßnahmen.

Je nach Umfang und Schwere der Verhaltensauffälligkeit können auch einmal Medikamente und/oder Pheromone bzw. kann die Naturheilkunde zum Einsatz kommen. Dies jedoch NUR in Absprache mit einem Tierarzt.

Auch darf die medikamentöse Methode in meinen Augen nur unterstützend erfolgen und nicht nach dem Motto: "Nun wird das Problem ja mit Arzneien behandelt und ich muss nichts mehr tun!" Nein!

Ein Verhaltensproblem darf keinesfalls ausschließlich mit einem Medikament behandelt werden! Arzneimittel ersetzen niemals die Methoden einer klassischen Verhaltenstherapie!