Obwohl unsere Fellnasen ihr menschliches Umfeld meist schon früh auf ein Problem aufmerksam machen, erkennen wir diese Signale oft nicht sofort – oder wir verstehen sie nicht richtig. Auch die damit einhergehenden, überwiegend unerwünschten Verhaltensveränderungen nehmen wir häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium wahr: nämlich dann, wenn sie kaum noch zu übersehen sind. So entsteht schnell der Eindruck, Verhaltensprobleme würden plötzlich auftreten.
Tatsächlich ist der Zeitraum zwischen Entstehung und bewusster Wahrnehmung durch uns oft so weit fortgeschritten, dass sich das Problemverhalten oder sogar eine Verhaltensstörung bereits gefestigt hat.
Genau an diesem Punkt setzt die Verhaltenstherapie an. Ihre vielfältigen Methoden können individuell eingesetzt und sinnvoll miteinander kombiniert werden.
Zielsetzung:
Unerwünschte Verhaltensweisen sollen reduziert und langfristig verlernt werden – während erwünschtes Verhalten gezielt aufgebaut und gefördert wird.
Dies geschieht zum einen durch meine verhaltenstherapeutische Beratung und Begleitung. Als „Dolmetscherin“ zwischen Ihnen und Ihrem Vierbeiner helfe ich Ihnen zu verstehen, warum sich Ihr tierischer Freund auf eine bestimmte Weise verhält – und wie Sie dieses Verhalten richtig einordnen können. Darauf aufbauend zeige ich Ihnen individuelle Möglichkeiten, unerwünschtes Verhalten zu minimieren oder nachhaltig zu verändern.
Zum anderen ist ein regelmäßiges, alltagsnahes Training zwischen Ihnen und Ihrer Fellnase ein zentraler Bestandteil der Verhaltensänderung. Durch gezielte Umgewöhnung, Konditionierung und Desensibilisierung unterstützen wir gemeinsam den Veränderungsprozess. Sie erhalten von mir verständliche Anleitungen zur Selbsthilfe sowie das notwendige Hintergrundwissen, um das Training sicher und erfolgreich umzusetzen.
Wie lange eine Verhaltensveränderung dauert, ist individuell unterschiedlich. Sie hängt unter anderem von der Ausprägung des Verhaltens, der Persönlichkeit des Tieres sowie den jeweiligen Lebensumständen ab. Ebenso spielt die konsequente Umsetzung des Trainings durch die Bezugsperson eine entscheidende Rolle. Meine Praxiserfahrung zeigt, dass der Zeitraum von wenigen Beratungseinheiten bis hin zu einer längerfristigen Begleitung über mehrere Monate variieren kann.
Der Unterschied macht´s!
Zeigen unsere Fellchen im Zusammenleben mit uns unliebsames Verhalten, wird dieses gerne direkt als ein Problemverhalten oder gar eine Verhaltensstörung eingestuft. Wichtig ist allerdings, dass wir diese drei Stufen genau unterscheiden und richtig einordnen.
Unerwünschtes
Verhalten
Wir sprechen dann von unerwünschtem Verhalten, wenn das Verhalten unserer Haustiere nicht unseren Erwartungen entspricht. Dabei dürfen wir nicht außer acht lassen, dass oftmals ein gezeigtes Verhalten „einfach nur“ den normalen art- bzw. rassetypischen Verhaltensweisen entspricht. Typisches Beispiel ist das Jagdverhalten, welches je nach Rasse mehr oder weniger stark ausgeprägt ist.
Problemverhalten
Die Verhaltensauffälligkeiten gehen über eine individuelle Betrachtungsweise bzw. das persönliche Störempfinden hinaus. Wir erleben sie als langanhaltende Belastung. Auch für das betroffene Tier ist Problemverhalten oft mit Emotionen (wie Angst oder Aggressionen) verknüpft und mit Leid verbunden. Es kann sich selbst, Artgenossen, artfremden Tieren bzw. anderen Personen Schaden zufügen. Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von genetischen Faktoren über physische Auslöser (wie Krankheiten, Schmerzen) bis hin zu traumatischen Erfahrungen. Auch in menschlichen Fehlkonditionierungen kann der Ursprung liegen. Geräuschangst (ausgelöst etwa durch Silvesterknallerei, Türklingel), Trennungsangst oder Unsauberkeit sind typische Beispiele für Problemverhalten unserer Haustiere.
Verhaltensstörung
Psychische Krankheiten entsteht dann, wenn erlernte Muster nicht angemessen oder problematisch sind. Somit beinhalten Verhaltensstörungen abnormes Verhalten, das grundsätzlich als krankhaft klassifiziert werden kann. Sie verursachen beim Patienten selber und/oder seiner Umgebung Leidensdruck. Im Gegensatz zu unerwünschtem Verhalten oder Problemverhalten gibt es bei Verhaltensstörungen keinen logischen Auslöser für die gezeigte Reaktion. Als typisches Beispiel ist autoaggressives Verhalten (wie übermäßiges Putzen oder Schwanzjagen) zu nennen.
Bitte reagieren Sie schnell!
Je länger mit der Behandlung einer Verhaltensauffälligkeit gewartet wird, desto größer ist die Gefahr, dass sich das unerwünschte Verhalten verfestigt. Zudem wird es im Verlauf oft schwieriger, den Ursprung und die Entwicklung des Problems nachzuvollziehen. Dies kann eine deutlich längere und auch kostenintensivere Verhaltenstherapie zur Folge haben.
Darüber hinaus können Verhaltensauffälligkeiten auch im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen stehen. Aus diesem Grund ist ein zeitnahes Reagieren besonders wichtig, um mögliche gesundheitliche Probleme Ihres Fellchens nicht zu übersehen oder zu verschleppen.
Ich empfehle daher je nach Situation auch eine tierärztliche Abklärung. So können organische Ursachen ausgeschlossen oder gegebenenfalls behandelt werden. Dieses sogenannte Ausschlussverfahren ist ein wichtiger Schritt, da verhaltenstherapeutische Maßnahmen bei einer zugrunde liegenden Erkrankung nur eingeschränkt oder gar nicht wirksam sein können.
