„Der Eindringling“

 

 

Betreuungsfall Katze

… Nach einer telefonischen Anamnese vereinbarte ich mit Frau Schulze in einem ersten Schritt herauszufinden, welche ihrer Katzen Markierverhalten zeigte. Zur Unterstützung sendete ich ihr meine Wildtier-Tag-Nachtkamera zu, die ich ihr auf eine 24-Stunden-Aufnahme inklusiv weiterer Einstellungen programmiert hatte und die sie in entsprechendem Kellerraum aufstellte.

Innerhalb von 32 Stunden konnten wir die markierende Katze (geben wir ihr den Namen Minka) „entlarven“. Um die Möglichkeit auszuschließen, dass weitere Katzen an entsprechender Stelle ebenfalls markierten, bat ich Frau Schulze, die Kamera noch einige weitere Tage aufgestellt zu lassen. Doch die Aufnahmen zeigten, dass die Markierungen lediglich von Minka vorgenommen wurden.

Ich vereinbarte mit Frau Schulze einen Hausbesuch, um mir ein genaues Bild vor Ort zu machen. Es handelte sich um ein größeres Haus mit Garten in einer ländlichen Gegend, welches von drei Katzen, zwei Katern und vier Erwachsenen bewohnt wurde. Mithilfe zweier chipgesteuerter Katzenklappen konnten die Samtpfoten ihr Leben Inhaus und im Freigang genießen. Es fehlte ihnen an nichts. Die Umgebung strahlte Harmonie pur aus. Dennoch: wie bei uns Menschen hat auch jedes tierische Verhalten einen Grund. Wo also lag das Problem?

Ich sprach Frau Schulze auf häusliche Veränderungen in der letzten Zeit an. Mein Fokus richtete sich aufgrund Minkas Markierverhalten vor allem auf evtl. Veränderungen bezogen auf die Katzenklos. Frau Schulze verneinte. Ich ging mit Frau Schulze in entsprechenden Kellerraum. Dieser war recht groß. Schränke, Körbe und Kartons waren mit zahlreichen Utensilien, Kleidungsstücken etc. befüllt. Die Ecke, in der Minka markierte, roch recht deutlich nach Urin. Mithilfe meiner LED-Blaulichtlampe, die mir im Dunkeln alle Urinstellen anzeigt, inspizierte ich den Markierbereich. Gleichzeitig bat mich Frau Schulze, mich nicht über den ungeordneten Kellerraum zu wundern. Sie sammele seit einigen Wochen Spenden für eine Tierschutzorganisation; alles „Kleinkram“ für einen Basar und diverse Utensilien für Katzen und Hunde. Diese Aussage ließ mich aufhorchen und ich sah mir die umliegenden Spenden etwas genauer an. Direkt neben mir erblickte ich drei Katzen-Transportboxen. Volltreffer! Denn ich hatte einen Verdacht.

Transportboxen sind prädestiniert dafür, sehr schnell die Gerüche der transportierten Fellnasen aufzunehmen. Samtpfoten können entsprechende Gerüche noch eine längere Zeit wahrnehmen, vor allem dann, wenn sie nach Gebrauch nicht richtig gereinigt wurden. Dies war zumindest bei einer Transportbox der Fall. Auf weitere Fragen hin erzählte mir Frau Schulze, dass die Kellerräume grundsätzlich nur von Minka aufgesucht werden. Alle anderen Vierbeiner nutzten lediglich die beiden oberen Etagen. So war klar, warum gerade Minka in ebendiesem Kellerraum markierte, denn die Box, die für Minka vermutlich zahlreiche Gerüche fremder Fellnasen trug, musste ihr wie ein Eindringling vorkommen. Ich riet Frau Schulze, alle drei Boxen aus den Kellerräumen zu entfernen und bis zum Basar außer Haus aufzubewahren. Außerdem gab ich ihr den Rat, sowohl die seitens Minka markierte Ecke als auch die Bodenfläche, auf der die Boxen standen, gründlich zu reinigen. Resultat: So schlagartig, wie Minkas Markierverhalten begann, so schlagartig wurde es von ihr beendet.

Ich freue mich, dass ich Frau Schulze bei ihrem Anliegen unterstützen durfte.